Wir konsumieren uns einsam.
- Nadine Krahé
- 22. Apr.
- 2 Min. Lesezeit

Stell dir vor: Du lebst in einer Zeit, in der du rund um die Uhr Zugang zu Fantasien hast. Zu Intensität auf Knopfdruck. Zu Chatbots, die zuhören. Zu Pornos, die immer extremer werden müssen, damit sie noch wirken.
Zu Dating-Apps, die Nähe simulieren, ohne dass irgendjemand wirklich anwesend ist.
Wir leben in einer Zeit, in der man sich mit einem Bot unterhalten, online daten, Fetisch-Content streamen und dabei Pizza bestellen kann – ohne einmal wirklich in Kontakt zu kommen. Mit jemandem. Oder sich selbst.
Und irgendwie gewöhnen wir uns dran. Wird halt so gemacht.
Ich find das ehrlich gesagt ein bisschen gruselig. Nicht moralisierend gruselig – sondern so: Hey, wann hast du das letzte Mal jemanden wirklich gespürt? Gruselig.
Heute Morgen, Seminarraum, Dr. Johanna Degen, Uni Flensburg. Und was dort gesagt wurde, ist eigentlich simpel: Fantasien wollen wachsen. Je mehr Raum wir ihnen geben, desto mehr verlangen sie. Irgendwann wollen sie real werden. Das ist keine Schwäche. Das ist Neurobiologie.
Dazu kommt: Was wir konsumieren, schreibt sich in uns ein. Pornoindustrie, Kink-Mainstream, Online-Dating-Kultur – das alles setzt Bilder davon, wie Körper, Berührung und Intensität aussehen sollen. Oft weit entfernt davon, was zwischen zwei echten Menschen tatsächlich passiert. Oder passieren könnte.
Das ist die stille Gefahr. Nicht der Konsum an sich. Sondern das schleichende Abdriften von der eigenen Realität – und voneinander.
Wenn Rough Sex zur Norm wird, aber niemand gelernt hat, darüber zu sprechen. Wenn ein Avatar mehr zuhört als das Gegenüber. Wenn wir mit Fantasien intim sind, aber mit echten Menschen nicht mehr wissen wie – dann wird Beziehung schwer. Nicht weil Menschen schlechter geworden sind. Sondern weil echte Begegnung eine Übung ist, die verkümmert, wenn sie nicht stattfindet.
Ich schaffe Räume, in denen sie stattfindet. Für Körperwahrnehmung, für Kontakt, für das was zwischen Menschen entsteht, wenn sie wirklich präsent sind.
Gerade entsteht zusammen mit einer Künstlerin aus Flensburg ein neues Projekt. Nicht die Leinwand ist das Objekt – sondern der Körper. Farbe macht sichtbar, was Worte oft nicht erreichen. Welche Farbe hat deine Beziehung zu dir gerade? Was lebt in dir, was wünschst du dir? Das wird gemalt. Auf Haut. Zu zweit, wenn man möchte. Weil der Pinsel manchmal das bessere Gesprächswerkzeug ist.
Mehr dazu bald.
Und falls du vorher noch kurz abdriften willst – in Böklund, mitten zwischen Raps und Rindern, gibt es tatsächlich einen Fetischshop. Bizarre-Lifestyle. Schöne Sachen.
Nice to have.
Aber danach weißt du, wo ich bin.
Auf dem Hof. Bei Flensburg. Ziemlich präsent.



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