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Die Langeweile


Es gibt einfach unterschiedliche Menschentypen.

Es gibt die, die ein schnelles, sportliches, intensives Leben führen. Die ständig unterwegs sind, Projekte haben, Ziele, Herausforderungen. Und ja – das kann beeindruckend sein. Ich schaue mir das auch gern an. Diese Energie, dieses Durchziehen, dieses Tempo. Und natürlich mache ich auch mal einen Ausflug dorthin.


Einfach, um zu sehen, wie es sich anfühlt.

Aber ziemlich schnell merke ich: Das bin ich nicht.

Ich bin jemand, der die Langeweile liebt. Und zwar nicht, weil nichts passiert – sondern weil so viel passiert, wenn nichts geplant ist. Für mich ist Langeweile etwas Zauberhaftes.

Sie öffnet einen Raum. Man geht nach draußen, ohne Ziel, und plötzlich reicht das völlig. Der Geruch nach Erde, das Licht zwischen den Bäumen, dieses ganz einfache Gefühl, die Füße auf dem Boden zu spüren. Nichts davon ist spektakulär – und genau deshalb berührt es mich.


In der Langeweile wird mein Blick weiter und weicher. Ich nehme mehr wahr. Ich staune über Kleinigkeiten, über das Wachsen, das Vergehen, über Geräusche, die sonst untergehen. Das Leben wird leiser, aber nicht ärmer.

Im Gegenteil – es wird dichter, sinnlicher, wärmer.


Ich habe verstanden, dass ich kein Leben brauche, das sich überschlägt. Ich brauche eines, das mich trägt. Und dafür ist diese scheinbare Langeweile kein Mangel, sondern ein Geschenk. Sie bringt mich zu mir zurück.


Vielleicht gibt es auch für dich diese Art von Langeweile. Diese ruhige, weite, freundliche Langeweile. Und vielleicht ist sie gar nicht das Gegenteil von Lebendigkeit – sondern eine ihrer schönsten Formen.


Ein Gedanke zum Weitergehen


Gerade Menschen, die viel im Too much sind – im Denken, im Tun, im Tempo – reagieren oft besonders stark auf Langeweile. Nicht selten entsteht dort erstmals echte Entlastung: Wenn äußere Reize weniger werden, bekommt das Nervensystem die Möglichkeit, sich neu zu ordnen. Nicht durch Aktivität, sondern durch Langsamkeit.


Für Menschen, die fein wahrnehmen und viel fühlen, liegt hier ein großer Vorteil. Sie müssen sich kein Vorbild an denen nehmen, die scheinbar mühelos durch ein schnelles Leben gehen. Ihre Stärke liegt woanders: im Wahrnehmen von Nuancen, im Erleben von Tiefe, im Genuss der leisen Momente. Wirkliches Spüren braucht Zeit. Wahrnehmung entsteht dort, wo etwas langsam wird. Und genau das geschieht in der Langeweile.


Auch psychologisch wird Langeweile heute differenzierter betrachtet. Studien zeigen, dass Phasen ohne äußere Reizüberflutung das Gehirn dazu anregen können, sich nach innen zu orientieren, neue Perspektiven zu entwickeln und kreative Verknüpfungen herzustellen. Langeweile ist damit kein bloßes „Nichtstun“, sondern ein Zustand, der Selbstwahrnehmung, innere Klarheit und geistige Beweglichkeit fördern kann.

 
 
 

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 © Nadine Krahé 2022

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